hier finden sie, was sie noch nie vorher gesucht haben!

DAS BÖSE AUS DER FRITEUSE!
Können Sie mir auf Anhieb sagen, was sich hinter CH2 = CH - CO - NH2 verbirgt?

Was sich liest wie das Wort "Elefant" in einem Siebtklässlerdiktat an einer ganz normalen deutschen Gesamtschule, ist in Wirklichkeit Acrylamid, die neuste Trendzutat in unseren Küchen und ein weiterer Sargnagel hin zur monogamen Broccoliküche.

Kaum, dass einem das von Oma liebevoll zubereitete Kalbshirn wieder so richtig schmecken mag, bringt das nette kleine Carbonsäureamid mit der lustigen Formel neuen Schwung an den Herd. Als wären mit Nitrofen, Schwermetallen, Hormonen und Glutamat nicht schon genug rentenzeitverkürzende Spurenelemente in den täglichen Leckereien enthalten, da zaubern Wissenschaftler eine weitere Verbindung mit Antichristenstatus aus dem Analyseglas. Glaubt man den Fachleuten, so hört sich Acrylamid nicht nur an wie der Lack, mit dem Onkel Fred immer das Kellertreppengeländer streicht, es ist beim Verzehr auch ähnlich förderlich für den Organismus. Acrylamid entsteht bei zu starkem Erhitzen von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln und ist krebserzeugend! Da mit bloßer Krebsgefahr heutzutage jedoch bereits im Kleinkleckersdorfer Tageblatt keine Titelschlagzeile mehr zu holen ist, sorgt Acrylamid obendrein auch noch für Erbschäden, Organausfälle und Orangenhaut. Und das alles für lau, nur wenn man an der Bude "Einmal Fritten mit!" bestellt!

Klimawandel? Polens Beitritt in die EU? Kahns Blackout bei der WM? Alles vielleichtnur zwangsläufige Folgen eines Überschuss an bösem Amid im Frühstückstoast? Oder alles doch nur Mumpitz? Werden da vielleicht wieder nur Fakten zu heiß frittiert? Experten bestätigen, dass der Heißhunger auf hoch belastete Pommes Frites und Chips ein oder zweimal im Jahr völlig unbedenklich ist! Das heißt in Zukunft an Weihnachten und Ostern weg von Ente und Hase, hin zu einer reich garnierten Platte an Salzgebäck und Kartoffelkräcker. Da schmeckt der Chateau Rothschild gleich noch viel besser! Es geht dann nicht mehr darum, was man sich finanziell auf dem Tisch leisten kann, sondern vielmehr darum, was das körpereigene Altlastendepot an Geröstetem, Frittiertem und Gebackenem noch vertragen kann! Es ist nun Recherchearbeit angesagt! Wie viel ist wo drin, und ab welcher Konzentration schmecken die Bratkartoffeln am besten? Ganze Koch- und Diätbücher müssen neu geschrieben werden: "Hundert Gramm Backwaren dieser Sorte enthalten 1250 kcal und 8,5 mg krebserregende Acrylamide pro Kilo. Guten Appetit!". Bedeutet dies nun auch, dass zukünftig auf jeder Kekspackung Warnungen zu lesen sein werden wie "Gebäckessen gefährdet ihre Gesundheit!" oder "Mürbekekse töten!"?

Und wenn es wirklich stimmen sollte, dass der Gilb nun überall die Gesundheit grau macht, und keiner von uns mehr das nächste Jahrhundert erleben wird, fragt man sich eh, ob eine hohe Lebenserwartung noch erstrebenswert ist, wenn man in einer Zeit lebt, in der man gar nicht so schnell altern kann wie das Rentenalter heraufgesetzt wird. Dann doch lieber noch ein Nachschlag knusprig-brauner Kroketten, gefolgt von einem Dutzend vor Fett triefender Berliner! Früher oder später wird man eh nicht darüber hinweg kommen, eine Souterrainwohnung auf dem Friedhof nebenan zu buchen. Das Leben ist so vielleicht kürzer, dafür aber leicht und kross! - Bei denjenigen, die ihr Leben bislang als amalgambestückte Kettenraucher im Asbestplattenbau fristeten, dürfte es eh egal sein, ob man nun amidabstinent lebt oder sich täglich zwei Zentner Chips hineinschaufelt. In diesen Fällen wird der Arzt früher oder später sowieso spöttisch lachend vom Organspenden abraten und einem stattdessen eine Infobroschüre über Sondermülldeponien mit nettem Ausblick in die Hände drücken. Vielleicht heben sich die Wirkungen einzelner Substanzen ja gegeneinander auf? Unter Umständen ist Nikotin und Quecksilber in den Zahnreihen genau das Richtige gegen Tumor-Kräcker und Todes-Kekse? So nach dem Motto: Minus mal Minus ergibt Plus?

Das schöne an Acrylamid ist allerdings, dass es endlich einmal ein Lebensmittelskandal ist, der jeden betrifft. Kein "Äätschibäätsch, ich esse gar kein Rindfleisch" oder "Meine Kartoffeln stammen aus biologischer Haltung und ich kenne sie alle mit Namen" - dem Schlingel Acrylamid ist es nämlich furchtbar schnuppe, ob es sich in brasilianischem Ausbeuterkaffee und Discountcornflakes oder korngesundem Landkaffee und Ökoknäcke bildet. Egal ob Männlein, Weiblein oder Unentschlossene, jeder kriegt sein Fett weg; was insofern erfreulich ist, da dies endlich einmal nicht dazu führt, dass Horden von lactovegetarischem und glaubensveganem Volk auf die Barrikaden gehen und jeden auf den Scheiterhaufen wünschen, der nicht eine Grünkernplantage sein Eigen nennt. Diejenigen, die eben noch versuchten, dem halbkannibalischen Nachbarn sein schmackhaftes Rippchen mit Nitratsalz- und Nitrosamin-Gruselgeschichten vom Grill zu argumentieren sind plötzlich selbst betroffen und sehen ihre mühevoll wiedergekäute Longlife Garantie in Gefahr. Wohl eines der ersten Male, dass ein selbst zubereitetes Rösti mit frischer Sieglinde aus dem Westerwald nicht die Lösung allen Unheils ist! - Ganz im Gegenteil, plötzlich steht vieles in Frage, was bislang noch für ein bewusstes Lebens stand: Was bringt es mit Rücksicht auf Übergewicht, Cholesterin und Herzinfarkt auf die morgendlichen fünf Eier mit tüchtig Speck zu verzichten, wenn Müsli und Vollkornbrot wegen ihres beträchtlichen Acrylamidgehaltes an der Krebsrate schrauben?

Besonders erschütternd: Naturreiswaffeln - Hauptnahrungsmittel aller mode- und körperbewussten Frauen im gebärfreudigen Alter zwischen 15 und 85 - sollen auch zu den leisen Killern zählen! Gesundheitlich also auch keine echte Alternative zum traditionellen bulimistischen Diätplan! Auch Kosmetika zeigen deutlich erhöhte Werte. Da wird sich zukünftig in Frauenkreisen wohl die Frage stellen: fett und hässlich oder lieber tot! Ob man nun auf alles zu verzichten hat, was irgendwie schmeckt, und sich aufmachen sollte um "back to the roots" nur noch Würzlein und Nüsschen zu knabbern, bleibt wohl im wahrsten Sinne des Wortes Geschmackssache. Stürzen Sie sich nicht gleich in eine vorzeitige Midlifecrisis, auch wenn Sie 37 und stetig besorgt um die Verdauung ihres Lieblingsautors sein sollten.

Es wird nie so heiß gekotzt wie es gekocht wird:

gruenetomaten@live-magazin.de

Patrik Wolf

P.S. Welche Gefahr wird wohl als Nächstes auf uns warten? Tofu im Schnitzel oder gar Stickstoff in der Luft?
©2005 by buze.net

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